Middelaldercentret Nykøbing vom 06.09. bis 13.09.2018

Eine Zeitreise mit Kelda ins 14. Jahrhundert

Das Middelaldercentret Nykøbing ist ein experimentelles Freilichtmuseum für lebendige Geschichte in Dänemark. Es stellt ein mittelalterliches Dorf des ausgehenden 14. und frühen 15. Jahrhunderts da. Es befindet sich in Sundby Lolland, etwa 4 km nordwestlich des Stadtzentrums von Nykøbing Falster am Ufer von Guldborgsund.
Vom 08.09.-09.09.2018 fand im Mittelaltercenter Nykøbing ein Themenwochenende unter dem Motto „Pferd im Mittelalter“ statt.
Mit der Bummsbrigade sind wir die letzten Jahre immer im Center zu den verschiedensten Themenwochen vor Ort gewesen. Schon lange hatten wir die Idee, dort mal etwas mit unseren Pferden zu machen. Zusammen mit der Museumsleitung erarbeiteten wir ein Konzept, wie man verschiedene Pferdetypen und deren Verwendung im späten Mittelalter dem Publikum präsen-tieren könnte. Es gab viele, weit gefächerte Funktionen die ein Pferd erfüllen musste. Das Pferd eines Ritters musste ganz andere Fähigkeiten mitbringen und antrainiert bekommen als das Reisepferd eines Kaufmanns. Diese Unterschiede wollten wir in moderierten Vorstellungen demonstrieren.
Für uns stand fest, dass wir an dieser Veranstaltung nur mit einem Pferd teilnehmen würden, da der logistische Aufwand und die Verantwortung bei zwei Pferden doch sehr erhöht wird.
Dieses Pferd sollte Kelda sein, da sie uns von der Ausbildung, Reife und Nervenstärke erstmal als das besser geeignete Pferd erschien.
Da wir ja noch immer das historische Zaumzeug und Sattel von unserem Abel hatten, waren wir ja eigentlich gut ausgestattet. Vielleicht ein paar Schnallen umsetzten, hier etwas kürzen, da ein weiteres Loch stanzen… Fertig!

Soweit der Plan…

Bei der ersten Anprobe mussten wir leider feststellen, dass dem überhaupt nicht so war. Während das Zaumzeug noch so einigermaßen passte, war der Sattel unseres Abels für Kelda überhaupt nicht zu gebrauchen. Was also tun?

Sollte unser lang gehegter Traum, unsere beiden Hobbys wieder zu verbinden, doch noch platzen?
Wir informierten unsere Freunde von der Bummsbrigade von den „Unpässlichkeiten“ unseres historischen Equipments. Die fanden das jetzt gar nicht so schlimm, man könne ja auch noch bis zur Veranstaltung etwas neues bauen.
Chris hatte noch diverses alte Militärsättel von Tobias, der schon den historischen Sattel von Abel gebaut hatte, im Keller. Diese wurden auf Kelda ausprobiert und einer saß nahezu perfekt auf ihr. Die Arbeit konnte beginnen…
1 1/2 Wochen vor Veranstaltungsbeginn haben wir uns also bei unseren Freunden einquartiert um das für uns unmöglich scheinende doch noch zu realisieren.
So wurde von früh morgens bis spät in die Nacht auf original historischen Abbildungen nach einem umsetzbaren, zivilem Sattel recherchiert, und anschließend gesägt, gehämmert, verleimt, gefärbt, genäht und nebenbei noch ein komplett neues Zaum- und Vorderzeug gebaut, Sporen repariert und natürlich gut gegessen…
Wir haben es tatsächlich soweit geschafft, dass nur noch die letzten Nähte vor Ort gemacht werden mussten. Ohne die sagenhafte Hilfe unserer Freunde von der Bummsbrigade hätten

wir das niemals verwirklichen können!


Historische Vorlagen

Unsere Rekonstruktion

Die Veranstaltung

Am 06.09.2018 konnte es schließlich losgehen! Kelda war schnell verladen und der Transport inklusive Schiffsreise nach Dänemark gestaltete sich als völlig problemlos.
Für Kelda war in Nykøbing alles vorbereitet. Sie bezog, das zu einem Offenstall umgebauten Bootshaus, wir unser luxuriöses Kaufmannshaus.
Den Freitag Morgen nutzten wir dazu, Kelda das neue Gelände zu zeigen, die letzten Arbeiten an Sattel und Vorderzeug zu vollenden bevor es zur Besprechung mit Joakim, der bei der Vorstellung den Ritter geben sollte sowie Miguel dem Moderator, ging.

Es folgte die Generalprobe auf der Turnierbahn, in welcher Joakim Andreas noch eine Stunde Reitunterricht und etliche Tips gab. Kelda zeigte sich auf der großen Bahn sehr lauffreudig und hatte sichtlich Spaß an der Veranstaltung. Zur Erholung kam Kelda nach der Probe auf ihre private Wiese am Seilerhaus. Sie konnte ihr Glück kaum fassen, da im Gegensatz zu Deutsch-land, sich die Wiesen von der langen Dürre prächtig erholt hatten und sie sich an dem grünen Gras ordentlich satt essen konnte.
Samstag Morgen ging es noch vor dem Frühstück und Museumseröffnung für Andreas und Kelda zum Warmmachen auf die Turnierbahn. Für das erhoffte Frühstück blieb dann leider keine Zeit mehr, da um 11:00 Uhr bereits unsere Demonstration auf dem Plan stand. Schnell umgezogen, die letzten Nähte am Sattel versäumt und es konnte losgehen…
Beide, Kelda und Andreas, waren doch aufgeregt, so dass noch nicht alles klappte, wie vor-gesehen, vor allem mit dem Trab hatte beide so ihre Schwierigkeiten. Nach der Vorstellung der beiden zeigte Joakim auf Absolon seine beeindruckenden reiterlichen Fähigkeiten.
Das Schuhmacherhaus bauten wir im Laufe des Tages zur Sattlerei aus, in der Chris unser ge-samtes Pferdeequipment präsentieren und weiter daran arbeiten konnte.
Mit Kelda zogen wir immer wieder als „walking act“ durch das Dorf. Für die Besucher bot sich so ein interessanter Einblick in die Welt eines reisenden Kaufmanns auf seinem „Zelter“. Auch als hübsches Damenpferd für die Frau des Kaufmanns machte sich unsere Kelda hervorragend.
Zwischendurch nahmen die beiden Männer mit sichtlichem Spaß an der obligatorischen Schiess-vorführung teil. Christine blieb während der Vorführung bei Kelda, um sie zu beruhigen.

Kelda nahm die Schiesserei neugierig zur Kenntnis, hat aber auch dies souverän gemeistert.
Am Sonntag Morgen fand die zweite Reitvorführung statt, die Kelda und Andreas schon viel besser hinbekamen. Beide genossen den verdienten Applaus des Publikums, vor allem Andreas war erleichtert, es nun doch gut hinbekommen zu haben.

Die nächsten Tage, in denen wir nicht so stark in das Programm eingebunden waren, nutzten wir, um mit Kelda weiter auf der Turnierbahn zu trainieren und nach Schließung des Museums diese tollen Fotos in der einmaligen Kulisse zu machen.
Zwischendurch kam der Geldverleiher Shlomo Pflaumbaum beim Kaufmann zu Besuch um seine Schulden einzutreiben. An diesem Rollenspiel hatten alle viel Spaß.
Auch ließen wir es uns nicht nehmen, aus Kelda ein Streitross zu machen und martialische Fotos mit unseren Büchsen zu machen. (Bevor jetzt jemand wegen Tierquälerei aufschreit:

Das Foto mit der geschossen Büchse auf Kelda ist in Photoshop entstanden…

Aber wir arbeiten an der tatsächliche Umsetzung ;-) )
Abends ließen wir es uns dann so richtig gut gehen: Es gab Lachsragout, Hühnchen in Mandelmilch, Pasteten, Lammgulasch, Rumpsteaks. Ebenso wurden unsere zahlreichen Bier- und Weinvorräte nahezu vollständig geplündert, man kann vor nächtlichen Raubzügen im Mittalter gar nicht genug warnen ;-)
Am 13.09. hieß es schließlich Abschied von Nykøbing und dem mittelalterlichen Leben zu nehmen. Kelda ging wieder, ohne mit ihren langen Wimpern zu zucken, in den Hänger und wir konnten ohne Zwischenfälle gen Heimat fahren.
Dort angekommen, begrüßten sich Kelda und die daheim gebliebene Fortuna kurz, bevor Kelda völlig unspektakulär auf ihrer Weide verschwand um zu fressen, als wenn sie nie auf dieser aufregender Zeitreise gewesen wäre…
Ein großer Dank geht an das gesamte Team des Mittelaltercenter Nykøbing nach Dänemark für die tolle Zusammenarbeit und Unterkunft von Kelda sowie an Chris und Andi von der Bummsbrigade für die handwerkliche und logistische Hilfe, ohne die wir diese Zeitreise mit Pferd niemals hinbekommen hätten!


Unsere Veranstaltungsbilder