Gradarii/Amblers/Genetten oder Zelter:

Dies ist im Mittelalter ein leichtes Reitpferd. Dieser Pferdetyp hat den besonderen "Zeltgang" (Spezialgangarten sind der Pass und der Tölt).

Es wird angenommen, dass im Mittelalter fast alle normalen Reitpferde Zelter waren, da bei langen Reisen der Tölt (nicht aber der Passgang) für alle Reiter bequemer war und er es dem Reiter erlaubte, weite Strecken schnell zurück zu legen.

Der heutige Begriff für diesen Pferdetyp wäre Gangpferd. Es waren insbesondere Reisepferde und Reittiere für Frauen und Geistliche, die auf diese bequemere Gangart gezüchtet wurden.

Gerade für Frauen war ein Ritt in normalem Trab sehr schwierig, da sie auf dem damals, bei Adligen üblichen, Damensättel saßen, in denen man quer zum Pferd saß und kaum Halt auf dem Pferd fand. Dadurch wurde das Sitzen schwungvoller Gangarten wie Trab und Galopp unmöglich. Tölt konnte jedoch sogar im Quersitz ausgesessen werden, da er keine Schwebephase hatte und dem Trab in seiner Geschwindigkeit nicht nachstand.

Dies soll aber nicht heißen, das Frauen nur im Damensitz geritten sind, es gibt sehr viele zeitgenössische Abbildungen von reitetenden Frauen im „normalen“ Reitsitz.

Zwei Zelter waren auch dazu geeignet, zwischen sich eine Sänfte zu tragen, während das zwischen zwei trabenden Pferden unmöglich wäre.

Außerdem diente der elegante Zelter als Paradepferde für Fürsten und dem Klerus.
Diese Pferde wurden normalerweise nicht zum Kämpfen in der Schlacht eingesetzt; hierzu waren größere, schwerere Pferde geeigneter, die nur drei Gangarten zu beherrschen brauchten.

Livre de la Chasse, Spanschachtel, Zelter
Bemalte Spanschachtel nach einem Motiv aus " Livre de la Chasse". Bemalung von Christine Rahn.

Die Veranlagung zu den Spezialgangarten ist bei Pferden vererbbar. Auch heute zeigen einige Pferde noch eine mehr oder weniger ausgeprägte Vorliebe dafür, sie sind die modernen Nachfahren der Zelter.

Dazu gehört insbesondere das Islandpferd oder der peruanische Paso Peruano und der kolumbianische Paso Fino.          

Eine asiatische Rasse mit Gangveranlagung stellt beispielsweise das Mongolische Pferd dar.

Aus Nordamerika stammen Gangpferderassen wie das Tennessee Walking Horse und als häufigste Gangpferderasse der USA das American Saddlebred Horse.

 

In den Ritterromanen des Mittelalters und der frühen Neuzeit werden kostbare und geschmückte Zelter als Damenpferde gern beschrieben.

Literarhistorisch berühmt ist die raffinierte Beschreibung (ekphrasis) des weiß-schwarzen Zelters der Enite in Hartmann von Aues Erec-Roman (um 1180/90).
Die wohlerzogenen Zelter waren bei Adligen und Rittern beim Jagen und für zeremonielle Zwecke beliebt. Der Preis eines guten Zelters war ähnlich hoch wie der eines Destrier.

Es waren ruhige und zuverlässige Pferde.

Ihre Größe und der besondere Gang machten sie populär.

Für den Niedergang der Tölterzucht war das sich immer weiter entwickelnde Straßennetz

mitverantwortlich. Hinzu kam, dass die passähnlichen Gangarten von den Verantwortlichen der Streitkräfte als unkorrekt enpfunden wurden.

Les Très Riches Heures du duc de Berry, Spanschachtel, Zelter
Bemalte Spanschachtel nach einem Motiv aus den" Les Très Riches Heures du duc de Berry". Bemalung von Katarzyna Lewandowscy.

Quellen,Literatur und Abbildungsnachweise:

http://de.wikipedia.org/wiki/Zelter

 

The Medieval Horse and its Equipment, Museum of London
Andrea-Katharina Rostock und Walter Feldmann: Islandpferde-Reitlehre. 2. Auflage